|
Alpenüberquerung Oberstdorf - Zams (E5)
Wir starteten am 01. September 2004. Gut vorbereitet, alles dabei, was man so braucht und voller Tatendrang. Volker ein sehr guter Freund von uns, musste leider wegen einer Erkrankung das Basis-Lager hüten. So gingen wir denn zu zweit los.
Wir starteten von Oberstdorf aus. Unser Ziel war Zams, bei Landeck im Inntal (Österreich). Der Weg ging quer über die Alpen.
Ein herrlicher Tag, wie nahezu während der gesamten 3 Wandertage. Laut Routenbeschreibung im Internet eine leichte Bergwanderroute ohne Kletterpassagen. Für mich die erste Bergwanderung überhaupt. Ich war nicht so naiv zu glauben, dass es für dort oben irgendwo einen Aufzug gibt, aber was bis zu 1800 Meter Höhenunterschied am Tag in bis zu 3000 m Höhe an Kraftanstrengung kosten, habe ich zum Glück erst danach in einer Beschreibung gelesen. Im Wanderführer des SL-Verlags für die Alpenüberquerung Oberstdorf - Meran wurde es mit einer Fahrradtour von 100 km täglich in hügeligem Gelände verglichen. Wer hierbei Probleme hätte, sollte auch diese Tour nicht starten. Der Vergleich trifft zu.
Tag 1: Oberstdorf - Kemptner Hütte
Die erste Etappe von Oberstdorf (ca. 860m) hinauf zur Kemptner Hütte (1.844m) sollte laut Karte ca. 4 h reine Gehzeit betragen. Das war die Marke, die es zu schlagen galt, so unsere Zielsetzung. Schnell erkannten wir, dass die Landschaft so wundervoll und schön war, dass es sich nicht lohnte, nach einer Einstellung dieser Zeitvorgabe zu streben...im Klartext: Wir waren schon nach den ersten 500 m Wegstrecke mit leichtem Anstieg so ausser Atem, dass wir die Zeitvorgabe des Wanderführers nur als Größe für die spätere Abweichungsanalyse zu nutzen gedachten. Mit ca. 5 Stunden waren wir dann am Tagesende aus unserer Sicht auch gar nicht so schlecht. Und wir mussten bereits auf diesem ersten Teilstück ganz deutlich die eigenen Leistungsgrenzen kennen lernen und die Erfahrung machen, das Geschwindigkeit nur der eine Faktor ist. Kontinuität ist der erheblich wichtigere Aspekt , und zahlreiche dem Augenschein nach schon recht betagte ‘Gämsen’ und ‘Gamsböcke’ zogen beständig an uns vorbei, langsam aber kontinuierlich.
Anfangs stellten wir uns noch die Frage, wie diese Leute mit so kleinen Rucksäcken auskommen konnten und für uns war klar, die machen nur eine Tagestour zur Kemptner Hütte und gehen am Abend wieder zurück. Wir hingegen waren etwas besonderes, weil wir immerhin 3 Tage unterwegs sein würden. Nun ja, am Abend auf der Hütte kamen wir ins Gespräch. Genau wie wir, waren auch die älteren und erfahrenen Wanderer für 3-4 Tage aufgebrochen. Und am Ende der Route war uns auch klar, was man alles nicht braucht, bzw. wie wenig man eigentlich wirklich braucht.
Was man wirklich braucht ist zunächst ein wasserfester Rucksack. Hier hilft kein Sparen an der falschen Stelle. Was helfen einem warme Pullover, wenn sie nass sind. Dann braucht man wasserfeste Kleidung. Und auch hier gilt, dass es nicht übertrieben ist, die vermeintlich vom Hersteller angepriesene Wasserdichtigkeit einmal unter der Dusche ca. 15 Min. zu testen. Wenn dann nichts durchkommt, ist es ok. Gutes Schuhwerk, ebenfalls am besten mit wasserdichter Membran, denn wenn es richtig regnet sollte man nicht das Gefühl haben, in abgesoffenen Gummistiefeln wandern zu müssen. Schuhe und Füsse sind extrem belastet. Und eine Hose möglichst aus den heutigen hightec-Materialien, die die Feuchtigkeit schnell nach Aussen transportieren. Baumwolle ist zwar dämpfend bei Stürzen, saugt aber Schweiss und Regen wie ein Schwamm und kühlt damit aus. Hosen mit veränderbarer Beinlänge (Zip-Cargo-Hosen) sind natürlich optimal, da hier die Hosenlänge der Witterung angepasst werden kann und schon sind wieder 750 g gespart. Kopfbedeckung ist wichtig, ebenso wie eine Sonnenbrille. Dann noch eine (möglichst leichte) Wasserflasche und einige Mineralien- und Vitamintabletten zum auflösen sowie Teebeutel und ein wenig etwas für die Brotzeit zum Essen. Mini-Taschenlampe für die Hütte und für den Notfall, Taschenmesser und nicht zu vergessen: Kartenmaterial. Nicht viel, aber das mit der richtigen Auflösung. Natürlich geht auch fragen, aber je nach Uhrzeit und Route trifft man über 1 Stunde im Berg keine Menschenseele und da ist man ganz schnell auf einem Weg, wo man auch weitere Tage und Wochen niemanden trifft.
Der Weg hinauf zur Kemptner Hütte ist ein ideale Einstimmung auf die gesamte Tour. Zwar anstrengend, aber beeindruckend und mit zunehmender Höhe kehrt Ruhe ein und die Gedanken werden frei. Die Berghänge sind übersäht mit kleinen Wasserläufen und Rinnsalen. Auch wenn der Aufstieg anstrengend erscheint, hat man doch überall die Gelegenheit eine Rast zu machen und sich am Wasser zu erfrischen. Die Region ist sehr abwechslungsreich und mit zahlreichen Berg-Pflanzen übersäht. Oben auf der Hütte angekommen, kehrt dann das Leben zurück. Am 01. September waren dort ca. 250 Personen, die übernachtet haben. Ein vorheriges Reservieren des Lagers kann daher nützlich sein, will man nicht im Bettenlager oder Notlager schlafen (was jedoch durchaus auch ein Erlebnis ist - Fax: 08322 - 959077). Wir hatten reserviert und ein geräumiges 10 Betten-Zimmer mit gemischter Belegung. Um 0600 ist die Nacht dann auch vorbei und es geht wieder auf.
Den Morgen um 0600 zu beginnen (und damit ca. 15 Min. vor dem Gross der anderen Wanderer) hat einen riesigen Vorteil (zumindest für die Männer): Es gibt noch einen Waschplatz (fließendes und kaltes Wasser) und die Toilette hat noch keine Warteschlange. Das ändert sich nämlich bis 0630 ganz massiv. Da auf den Hütten einfach weniger Frauen sind, spielt dies hier nicht so die Rolle, wohl aber beim Frühstück. Hier geht es jedoch recht gut und schnell. Auf allen Hütten empfiehlt sich die Mitgliedschaft im Alpenverein. Zum einen kann man nur als Mitglied ein Bett reservieren und bekommt bei Überbelegung auch eines zugeteilt, zum anderen können nur Alpenvereinsmitglieder einen 1/2-Liter-Krug mit heißem Wasser bekommen und sich damit die Getränkeflaschen mit Tee füllen. Ansonsten gibt’s Portionsgrößen. Die Übernachtungspreise für Mitglieder sind ebenfalls reduziert. Also der Beitrag lohnt sich.
Tag 2: Kemptner-Hütte - Memminger Hütte
Also ging es am 02. September auf den Weg zur Memminger Hütte. Die Routenbeschreibung sagt kurz und prägnant:
Gehtzeit: 6 Stunden, Aufstieg: 940 m, Abstieg: 870 m, neue Höhe: 2242 m, dazwischen: Wandertaxi für 13 km Straßenabschnitt
Zunächst geht es von der Kemptner Hütte 130 Höhenmeter hinauf auf das Mädelejoch (1974 m). Der Weg ist gut zu finden und die Ausschilderung gut erkennbar. Oben auf dem Übergang ist ein faszinierender Ausblick zurück auf die deutsche Seite aber auch hinein in die Österreichischen Alpen. Ab hier passiert man auch die Grenze nach Österreich.
Der Abstieg führt entlang von Schutt- und Geröllabgängen, steilen Bergwänden und flachen Almwiesen durch eine abwechslungsreiche Berglandschaft mit einigen kleineren Bächlein. Die Wegetation ist hier jedoch deutlich anders als auf der Oberstdorfer Seite. Ein völlig andere Natur, so scheint es. Mag sein, dass es daran liegt, dass hier von dem Wasservorrat der Berge kaum etwas zu spüren ist. Daher auch mehr Geröll und Stein und weniger satte Wiesen und Vegetation.
Obwohl die Wanderwege gut sichtbar markiert sind, ist es doch notwendig immer wieder einen Blick auf die Karte zu werfen, um nicht auf Abwege zu geraten. In diesem Abschnitt finden sich auch Gemsen, Bergziegen und Murmeltiere, ebenso wie weidende Schafe. Also einfach die Augen und Ohren aufmachen und hören, was sich so bewegt. An den Geröllfeldern ist dies dann eine zweischneidige Freude, da die Bergziegen bei herannahenden Wanderern doch schon einmal geneigt sind, sich etwas hektischer zu bewegen, was sofort kleine Steinschläge auslöst. Also hier erst die Tiere auf sich aufmerksam machen und dann das Geröllfeld passieren, sonst kann es gefährlich werden, da auch kleine Steine bei einem Gefälle von ca. 60Grad zu echten Geschossen werden. Hier liegt sicher auch einer der Gründe, warum so mancher Wanderer mit einem Helm ausgestattet ist.
Andere Gründe sind an solchen kurzen Kletterpassagen zu erkennen. Hiervon gibt es auf dem Abschnitt aber nur diese und noch eine weitere. Die Handseile helfen beim Aufstieg, aber Trittsicherheit ist hier auf jeden Fall erforderlich, da der Rucksack der Schwerkraft folgt und die zieht hier schon merklich in die andere Richtung. Eigentlich ist dies ja die Abstiegstrecke vom Mädelejoch hinunter in das Dorf Holzgau. Aber die Berge sind eben bergig und da muss man halt hier und da auch wieder etwas hinauf.
An diesem Punkt waren wir dann auch bereits wieder warm gelaufen. Die Schmerzen in den Schultern vom viel zu voll gepackten Rucksack waren wieder vorbei und die Schuhe hatten sich auf Normaltemperatur angewärmt. Übrigens, für mich auch einer der beeindruckenden Momente war der, als ich meine Strümpfe und schweiß-feuchten T-Shirts morgens getrocknet aus dem Trockenraum der Kemptner Hütte holte. Der Duft von 250 Paar gut durchwirkten Strümpfen, T-Shirts, Pullovern und anderen Kleidungsstücken ist einfach unvergesslich. Aber er gehört einfach dazu.
Der Weg führte an pfeifenden Murmeltieren vorbei an die Bergstation der Sesselbahn von Holzgau. Wer fit ist, läuft den Weg hinunter, wir sind gefahren (nicht ganz preiswert!). Die ca. 400 Höhenmeter legt die Sesselbahn in ca. 10 Min. zurück. Zu Fuss wären es sicherlich noch einmal 1 - 1,5 h wegen der Wegführung. In Holzgau im Tal angekommen muss man noch ins Dorf laufen (oder man hat Glück - wie wir - und wird mitgenommen). Am Dorfplatz gibt es ein sogenanntes Wander(er)taxi der Fa. Feuerstein. Die Abfahrtzeiten sollte man an der Talstation der Sesselbahn oder im Dorf abfragen. Bei Bedarf, kann man aber auch den Taxibetreiber anrufen (Tel. 0043 5633 5633). Das Taxi fährt (unabhängig vom Fahrplan), sobald es voll ist zur 13 km entfernten Talstation der Materialseilbahn der Memminger Hütte im Madautal. Den Weg zu Fuß zu absolvieren kann nicht empfohlen werden. Laut Beschreibung sind es ca. 4 Stunden Wanderung. Selbst der Bus/Taxi hat für die Strecke ca. 30 Min. benötigt und ist in atemberaubender Fahrweise durch das Tal gefahren. Wer den Weg also in 4 Stunden schafft, muss schon extrem gut zu Fuß sein.
An der Talstation der Materialbahn angekommen (1454 m) sollte man unbedingt das Gepäck mit der Materialseilbahn auf die Hütte transportieren lassen. Der Aufstieg auf die Hütte geht ca. 800 Höhenmeter nur bergauf und das auf einem Weg auf dem man bereits ohne Gepäck gut zu tun hat. Die erste Hälfte des Wegs führt ausschließlich durch Büsche und niedrigen Strauchbewuchs auf einem nur 1 m breiten Weg aus Stein und Lehm. Dieser Abschnitt ist weder landschaftlich noch von der Wegstrecke her schön, sondern der unangenehmste Teil der gesamten Wanderung. Wir hatten nicht gewußt, dass man das Gepäck mit der Materialseilbahn transportieren lassen kann (leider hatten wir den falschen Reiseführer dabei), daher haben wir das Ganze mit vo llem Gepäck gemacht. 
Erst ab ca. 1800 Höhenmetern kommt dann Gelände. Hier wird der Aufstieg landschaftlich angenehmer. Laut Beschreibung wird der Aufstieg mit 1,5 - 2 h angenommen. Als wir nach ca. 3,5 h auf der Memminger Hütte auf 2242 Metern angekommen waren, waren wir nicht mehr ganz sicher, ob wir den 3. Tag noch schaffen würden. Eines jedoch hat uns Kraft gegeben: Es gab warmes Wasser (zumindest zeitweise). Nach einer Stärkung und ein zwei Bier ging es dann auch schon wieder. Auch hier stellte sich eine Vorreservierung der Zimmer als notwendig und nützlich heraus. Ein 4-Bettzimmer nur für uns beide, während der Hüttenwirt alle anderen in das Matratzenlager verbannte. Es war eine ruhige Nacht, obwohl eine Mischung analog der Kempner Hütte uns sicherlich nicht gestört hätte ;-)).
Der Morgen - wie überall - zeichnete sich durch frühres Aufstehen (0600) aus. Wer zuerst am warmen Wasser war, hatte noch welches. Danach war der Boiler nämlich leer und erst in 1 Stunde wieder warm. Hier machten wir jedoch die Erfahrung, dass Erster sein eben auch nicht so erstrebenswert war. Zweiter wäre besser gewesen. Der Grund: Der Leitungsweg vom Boiler zur Dusche betrug ca. so lange, wie die Duschzeit für die eingeworfene Duschmarke reichte und die Nacht war kalt, ebenso also das im Leitungssystem befindliche Wasser. Letztlich also kein Unterschied zur Kemptner, aber theoretisch eben warmes Wasser.
Tag 3: Memminger Hütte - Zams (Lochbachtal)
Dies war unser 3. Tag. Die schmerzenden Schultern waren kaum noch spürbar, dafür machten sich ab jetzt meine Kniegelenke bemerkbar. Das sollte sich bis zum Vormittag noch steigern und kam auf dem Höhepunkt unserer W anderung dann auch zu einem schmerzvollen Höhepunkt.
Der Reiseführer beschreibt den Abschnitt wie folgt: Eine Stunde Aufstieg zur Seescharte auf 2599 Metern. Fünf Stunden Abstieg durch das unberührte Lochbachtal ins Zammer Loch bis Zams bei Landeck im Inntal (780m). Gehtzeit: 6-7 Stunden, Aufstieg: 420 m, Abstieg: 1890 m
Zunächst gingen wir von der Memminger in Richtung Seescharte hinauf auf 2599 (420 m steil nach oben). Leider hatten wir hier die Karten nicht gelesen und sind den falschen Weg gelaufen. Wir wollten uns beim Hüttenwirt ja auch nicht als Neulinge outen und zogen es daher vor, den Weg selbst zu finden. Nun ja, nach 40 Min. hinauf und 30 Min. hinunter waren wir auch schon wieder am Ausgangspunkt und fanden nun den richtigen Weg. Wir hätten fragen sollen und es hätte uns sicherlich keiner deswegen ausgelacht. Aber auch diese Erfahrung muss man erst machen. Abkühlung verschaffte uns dabei der plötzlich einsetzende Sprühregen, der unsere Kleidung völlig durchnässte. Hier kam der Moment, wo ich feststellen musste, dass mein Rucksack eben nur wasserabweisend, aber leider nicht wasserdicht war. Mein Ersatzpullover war nass und gleich auch 1,5 kg schwerer, so wie alles andere auch. Da konnte ich auch den anlassen den ich anhatte. Gleiches galt für meine Regenjacke. Nach 10 Min. Regen w ar die auch durchgenässt. Hier zeigt sich eben der Unterschied.
 Da wir aber noch 400 Höhenmeter auf ca. 1000 m Strecke vor uns hatten, machte es auch keinen großen Unterschied, ob von außen oder von innen die Kleidung nass wurde. All das vermochte unsere Stimmung aber nicht wirklich zu trüben. Natürlich fragte man sich, wer denn der Depp war, der die Karte nicht richtig gelesen hatte. Aber nach 10 Min. im Einklang mit der Natur war die Welt wieder in Ordnung (schließlich war es eine Tour unter Männern!). Oben auf der Seescharte angekommen war die Erleichterung jedenfalls groß. Der Regen hatte aufgehört.
Ab hier war der Rest ein Kinderspiel. Einziges Problem, meine Kniegelenke hatten absolut keine Lust mehr auf die restlichen 4,5 h Abstieg. Hier war die Wahl zu treffen, die Bergrettung anzurufen (das Handy hatte immerhin 1 Strich Empfang in Richtung Nord -West). Alternativ das Knie zu bandagieren und den Versuch zu wagen, die 1890 Höhenmeter doch allein zu schaffen. Und was wäre eine solche Tour, wenn man den schönsten Teil im Heli verbringt. Also, das Knie dick mit Sportsalbe eingerieben, elastische Binden drum herum, einen Wanderstock zum Auftreten geliehen und auf geht’s. Die ersten Meter waren echt schmerzhaft, aber solange die Kniegelenke warm blieben, hielt sich der Schmerz und die Schwellung in Grenzen, eben nur nicht stehen bleiben. Somit gehört natürlich auch beim nächsten mal diese Ausrüstung auf jeden Fall wieder ins Gepäck. Die Belastung der Kniegelenke sollte auf keinem Fall unterschätzt werden und ich selbst werde mich verstärkt auf die Rotationsbelastung der Gelenke im Fitness-Studio vorbereiten. Insbesondere beim Abstieg werden die Knie durch den extrem unebenen Geröllboden und die Körperdrehung gegen den Berg belastet. Ich selbst hatte diese Belastung ganz deutlich unterschätzt.
Den Abstieg von der Seescharte mochten wir trotzdem nicht missen. Die landschaftliche Veränderung ist auf jedem Höhenmeter festzustellen und das Lochbachtal ist einfach fastzinierend. Anfangs Fels und Geröll kommt allmählich die Vegetation zum Vorschein und der kleine Rinnsal am Hang wird zum Wildbach, der sich Meter tief in das Tal gegraben hat. Die Talhänge sind anfangs noch weit, später extrem steilwandig und nur über einen einzigen Weg geht es die 1.890 Meter hinunter. Anfangs noch bewaldet mit mosigen Wiesen, führen die letzten 3 Stunden des Wegs nur noch entlang des schmalen Pfades, auf dem man teilweise fast senkrecht ca. 50 m tief nach unten sieht und wo wohl auch nicht der erste Einheimische vom Steinschlag überrascht wurde. So zumindest deuten es historische Tafeln an. Selbst der Forstdienst kann hier nur noch zu Fuss ins Revier.
Nach über 8 Stunden hatte uns an diesem Tag die Zivilisation wieder. Das Handy hatte wieder Empfang und unser Basislager hat uns aufgenommen.
Ansehnlich waren wir nicht gerade, denn die Anstrengung stand uns nicht nur im Gesicht geschrieben. Nach einer Dusche im Hotel und einem gepflegten Glas Gerstensaft sowie einem großen Steak waren die Strapazen auch gleich vergessen und übrig bleibt nur das Verlangen nach Schmerzlinderung und dem Termin für den Rest der Wanderung. Nach ca. 2 Wochen konnten wir beide auch schon wieder ganz normal laufen.
Der nächste Teil wird definitiv die Fortsetzung dieser Alpenüberquerung. Das Ziel ist Meran. Und wie beschreibt es die Routenplanung so eindrucksvoll: “Nach der Pause wartet ein steiler Abstieg durch felsiges Gelände, das unter Umständen vereist sein kann und deshalb äußerste Vorsicht erfordert. Nach diesem beeindruckenden Teilstück führt der Weg durch Almwiesen hinab ins Schnalstal, wo der Vernagt-Stausee in der Sonne wie ein Smaragd funkelt. ...”
Wie könnten wir uns das entgehen lassen.
|